
Einstein brauchte f�r seine revolution�ren Ideen im �Wunderjahr 1905� weder Geld noch akademische F�rderung ? nur Stullen und gute Freunde
Was sieht ein Beobachter, der auf einer Lichtwelle reitet?
Auf ausgedehnten Spazierg�ngen in den Berner Arkaden erl�utert Einstein dem interessierten Besso immer wieder das Problem. Nimmt ein Beobachter auf der Erde einen Lichtstrahl anders wahr als jemand, der auf der Lichtwelle ins All reitet? Der lichtschnelle Beobachter m�sste die Lichtwelle �als ruhendes, r�umlich oszillierendes elektromagnetisches Feld wahrnehmen�, sagt Einstein, �so etwas kann es aber nicht geben, weder aufgrund der Erfahrung noch gem�� den Maxwellschen Gleichungen�. Besso hakt nach. Woher wei� der eine Beobachter, was der andere sieht? Wie messen sie Zeit? Was ist f�r sie �gleichzeitig�? Solche Anst��e sind f�r Einstein Gold wert. Bei einer Unterhaltung im Mai 1905 geht pl�tzlich ein Leuchten �ber sein Gesicht. Einstein verabschiedet sich eilig ? und begr��t Besso am n�chsten Tag mit den Worten: �Danke Dir, ich habe mein Problem vollst�ndig gel�st!�
F�nf Wochen sp�ter reicht er seine Schrift Zur Elektrodynamik bewegter K�rper bei den Annalen der Physik ein und begr�ndet damit die Spezielle Relativit�tstheorie. Darin findet sich keine einzige Literaturangabe, lediglich eine Danksagung an Besso. Der Aufsatz �hnele eher einer Patentschrift als einem Fachartikel, bemerkt der Historiker Peter Galison. In seinem Buch Einsteins Uhren, Poincar�s Karten belegt der Harvard-Professor, dass Einstein sich von technischen Fragen inspirieren lie� ? etwa vom Problem der Synchronisation entfernter Uhren auf Bahnh�fen.
Statt wie Newton von einer allgemeinen, �absoluten Zeit� auszugehen, sagt Einstein: Zeit ist das, was man an der Uhr abliest. Und um zwei Uhren miteinander zu vergleichen (etwa auf einem Lichtstrahl und auf der Erde), muss ein Beobachter von der einen Uhr zur anderen blicken k�nnen ? was wiederum Zeit braucht. Schneller gucken als mit Lichtgeschwindigkeit geht nicht.
Solche �berlegungen f�hren Einstein zu dem tollk�hnen Schluss: Zeit und Raum sind nicht absolut, sondern h�ngen von der Bewegung eines Systems ab. Konstant sei dagegen die Lichtgeschwindigkeit, die in allen Systemen denselben Wert annimmt. Ein unerh�rter Gedankenschritt. Zudem hat die Theorie paradox anmutende Konsequenzen ? etwa dass die Zeit in einem bewegten System schneller vergeht als im ruhenden oder dass ein davonfliegender Raumfahrer langsamer altert als ein auf der Erde zur�ckgebliebener. Doch Einstein vertraut seiner theoretischen Intuition mehr als dem �gesunden Menschenverstand�.
(Quelle: Die Zeit, Annus Mirabili, Ulrich Schnabel)
dan - 11:12 AM December 17, 2004